Erfahrungen gemacht. Gedanken gemacht. Gelernt.

gepostet von PressTheButton am 17.November 2020 in der kategorie Inner Growth

Warum Selbstführung kein Hirngespinst ist.

Wir schreiben den 14.11.2020; Österreich steht vor dem zweiten, totalen Lockdown seiner jüngeren Geschichte. Zwar hat die Regierung bis jetzt nur inoffiziell Informationen geleakt, die in den gängigen Medien diskutiert werden, doch die Gerüchte werden immer konkreter und verdichten sich zu der Einschätzung, dass ab Dienstag, 17.11.2020 das öffentliche Leben auf ein Minimum heruntergefahren wird. Der eigene Wohnbereich darf nur noch in Ausnahmefällen verlassen werden, zum Beispiel um lebensnotwendige Bedürfnisse zu stillen.
Und obwohl man trefflich darüber streiten könnte, ob das von PRESS THE BUTTON befriedigte Bedürfnis nach Begegnung und Spaß nicht doch ein lebensnotwendiges sei, werden auch wir schließen müssen… so unsere begründete Befürchtung.

Beim ersten Lockdown im März 2020 herrschte eine eigentümlichen Schockstarre – doch dieses Mal war die Stimmung eine ganz andere, denn wir waren als System nicht nur handlungsfähig, sondern auch unglaublich handlungswillig. Schon am Freitag Abend hat sich wie von selbst etwas in Bewegung gesetzt, eine Kraft entfaltet. Unsere Franchisepartner fragten an, ob es ausnahmsweise am Sonntag technischen Support geben könne weil sie ihren Kunden ermöglichen wollen, den Termin vorzuverlegen und ich fragte bei den einzelnen Teams nach, ob sie Zeit für einen Sonntagseinsatz hätten.
Warum? Weil Zusperren trotz Umsatzersatz für uns nachhaltig destruktiv wirkt, denn wir sind Freudevermehrer und lieben es, mit unseren Kunden in Kontakt zu gehen, sie zu inspirieren und Zeuge der Entfaltung ihrer Kreativität zu sein. Jeder verlorene Kundenkontakt ist schlicht und einfach einer zu viel.

An dieser Stelle möchte ich kurz klarstellen, dass die Gefahr der Ansteckung und Verbreitung des Virus bei uns gegen Null tendiert. Wir sind eine kleine Kette von Do-it-yourself Fotostudios; unsere Kunden fotografieren sich bei uns mit Fernbedienungen selbst und wir zaubern dann durch die händische Bildbearbeitung aus dem Rohmaterial hochwertige, witzige und bewegende Bilder.
Zu uns kommen im Augenblick fast nur Menschen, die auch in einem gemeinsamen Haushalt leben zu festgelegten Terminen; wir achten selbstverständlich auf die Abstands- und Maskenregeln und auch darauf, dass die Kundengruppen nicht in Kontakt kommen. Ziemlich sicher, würde ich sagen – es hat sich noch keine einzige unserer 43 Mitarbeiterinnen bei einem Kunden angesteckt.

Der Beweis, dass Selbstführung kein Hirngespinst ist, wurde hauptsächlich am Samstag vor dem Lockdown erbracht. Eigentlich bin ich an diesem Tag um 6:15 Uhr mit dem Vorhaben aufgestanden, einen Apfelstrudel zu backen, doch dann hab ich die frühe Stunden gleich dazu genutzt, den Impuls in die Teams zu liefern, dass wir am Sonntag aufsperren könnten. Damit würden wir unseren Kunden kurz vor dem Lockdown ermöglichen, ihre bereits gebuchten Termine vorzuverlegen.

Was mich so beeindruckte und eindeutig bewies, dass selbstführende Teams (extrem gut und effektiv) funktionieren, erlebte ich dann nur noch als Beobachter: Sofort bildeten sich Sonntags-Teams, Öffnungszeiten wurden festgelegt und in unseren Onlinekalender eingepflegt, eine Welle des Zusammenhalts wurde spürbar! Jene Mitarbeiter*innen, die eigentlich gerade mit der Betreuung von Fotoshoots und der Bildbearbeitung beschäftigt waren, begannen die Kunden anzurufen und deren Termine zu verschieben.

Doch dann mischte sich zu allem Überfluss und schon vorhandenem Stress auch noch der Ausfall unserer Telefonanlage; wir konnten zwar noch angerufen werden, jedoch nicht mehr „rausrufen“. Die Lösung dieses Problems zog sich hin und ich stellte mir immer wieder die Frage: Warum gerade jetzt – was bedeutet dieses Zeichen? Liebes Universum, was willst du mir damit sagen, sollen wir am Ende den Sonntag gar nicht öffnen?
Im Laufe des Tages eröffnete sich dann der Sinn des Ausfalls; ich interpretierte es als eine Art Prüfung für die Fähigkeit zur Selbstorganisation, denn unsere Mitarbeiter*innen haben sich von einer läppischen Telefonanlage nicht bremsen lassen und die Kunden einfach mit den privaten Mobiltelefonen angerufen! Wie selbstverständlich wurde das Problem nicht einfach herumgeschoben, es wurde auch nicht bejammert, sondern einfach gelöst. Punkt.
(… und das komplett ohne mein Zutun, ohne Anweisung, ohne Impuls. Ich hatte die Idee auch schon, hätte mich aber kaum fragen getraut …)
Innerhalb von ein paar Stunden waren fast alle der 6 Terminkalender für den Sonntag voll und dafür brauchte es nichts weiter, als einen einzigen Impuls.

Ich hatte mich selbst auch zu Kundendienst und Bildbearbeitung am Sonntag eingeteilt und erlebte einen sehr bereichernden Tag mit tollen, wertschätzenden Kunden und wunderbaren Bildern. Ich erlebte auch den starken Zusammenhalt und das riesige Potential unserer Mitarbeiter*innen, wie sie sich mit lässiger Selbstverständlichkeit für unsere Kunden und großer Verbundenheit mit dem größeren Ganzen organisiert haben.

Das Unternehmen PRESS THE BUTTON mit selbstführenden Teams zu organisieren, ist mein erklärtes Ziel. Nicht nur unsere Franchisepartner*innen, für die Selbstführung als selbstständige Unternehmer in der Natur der Sache liegt, sondern auch für Teams, die ausschließlich aus Mitarbeiter*innen bestehen. Auch sie sollen Entscheidungsmacht und Verantwortung dazu benutzen, einen richtig guten Arbeitsplatz zu gestalten und als Ergebnis daraus auch wirtschaftlichen Erfolg einzufahren, damit auch gute Löhne bezahlt werden können.
Um das zu erreichen, unternehmen wir einiges und es sind nicht nur die Seminare, bei denen wir zB. systemisches Denken vermitteln; es sind die täglichen Kleinigkeiten, die mit viel Respekt und Wertschätzung durchzogen sind.

Das klingt nicht nur gut – diese Geschichte beweist, dass es auch gut ist – und dennoch kein Spaziergang.
Selbstführende, sinngetriebene Teams aufzusetzen macht Führung noch viel wichtiger, als sie bei befehlsgetriebenen, hierarchisch gesteuerten Teams wäre. Das ist nicht immer einfach und es gibt genug Rufer in der Wüste der Ökonomie, die Selbstführung als sozialromantischen Unsinn abtun.
Doch gerade ein so einschneidendes Ereignisse wie dieser Lockdown beweist sowohl meinem Hirn, als auch meinem Herz, dass der eingeschlagene Weg nicht nur der Richtige ist; es ist sogar der Goldstandard und deshalb konnte ich diesem fatalen Ereignis des zweiten Lockdowns zuversichtlich, gestärkt und fast schon fröhlich entgegen sehen.

DANKE an die Menschen bei PRESS THE BUTTON. Sie bei der Entfaltung ihres Potentials zu beobachten, war der reinste Genuss!

(Alle hier sichtbaren Menschen sind Mitarbeiter*innen oder Franchisepartner*innen von PRESS THE BUTTON – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.)

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Gedanken & Text | m-art-in, CoreTeam Wels / Geschäftsführung
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